Jazz und was von der DDR bleibt übrig…

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Uschi Brüning and Take Five

Wir sitzen in einem lokalen Jazz Klub gleich um die Ecke von uns in Weissensee, dem Steinmetzhof. Ein Paar aus London, hier für einige Tage zu Besuch, ist auch dabei. Sie haben auch das Gefühl, dass dieser schöne kleine Ort etwas Besonderes sei. Die Sängerin, Uschi Brüning, der Saxophonist, Ernst-Ludwig Petrowsky, und die Band, Take Five, waren unter den besten Jazz Musikern des ehemaligen kommunistischen  Ost Deutschlands.

Bob, der Londoner, schaut sich ein bisschen um. Ein Publikum im Durchschnittsalter von vielleicht sechzig.

„Also die Menschen hier würden sich an das Leben in Ost Deutschland erinnern?“

„Natürlich“ antworte ich.

„Was halten sie dann jetzt davon?“

„Na ja“, gebe ich meine Standard Antwort, „ich habe bis jetzt niemanden getroffen, der diese Republik zurück haben will.“

Der Band fängt an zu spielen. Take Five von Dave Brubeck. Sie spielen eine halbes Dutzend beliebter Jazz Nummern. Die Stimme von Uschi ist ein wunderschönes Instrument an sich, das sich geschickt zwischen den anderen einflechtet.

Der Band legt eine Pause ein. Laura, Bobs Frau, und meine Frau stehen auf, um Wein und etwas zu knabbern von der Bar zu holen.

„Die meisten Menschen hier sind aus Ost Berlin oder?“, fragt Bob.

Ich nicke.

„Und nicht viele die jünger als, sagen wir, dreißig waren, als die Mauer fiel?“

Wieder ein Nicken.

„Daher“, er spricht langsam, seine Worte abwägend, „sind sie, in einiger Hinsicht, was von der DDR übrig bleibt.“

“Naja, politisch gesehen, eher nicht. Ich meine als Jazz Fans waren die offen für Musik und Kultur aus dem Westen und daher der Regierung eher verdächtig. Aber doch, viele sind mit der Band alt geworden und vielleicht ist hier einer der wenigen Orte von man noch eine kulturelle Kontinuität mit der ostdeutschen Vergangenheit hat.“

Laura und meine Frau sind, mit Wein und etwas zu Essen wieder da.

„Was ist denn das?“ Bob fragt auf die belegten Scheiben Brot deutend.

“Hackepeter,” antwortet meine Frau, “rohes gehacktes Schweinefleisch mit rohem Ei und Zwiebeln. Auf braunem Bort. Superlecker.“

Sie lässt es sich schmecken. Bob nicht.

Als er mich heimwärts die Straße entlang schiebt, fragt Bob.

„Und was haben die Menschen gedacht als die Mauer fiel?“

„Vieles, am meisten Befreiung natürlich, aber dann machten sie sich vielleicht Sorgen um die Zukunft, und vielleicht, einige fühlten sich, zumindest ein bisschen…..geschlagen.“

„Wirklich?“

„Na ja, ich meine, die wussten dass der Staat ein korrumpierter, pleiter, von Spionen befallener kleiner Staat war, aber es war halt ihr korrumpierter, pleiter, von Spionen befallener kleiner Staat. Und vielen wollten das er nicht lediglich verschwinden sollte, sondern hofften auf einen neuen Anfang, etwas Anderes. Das wurde aber nie so wirklich angeboten.“

“Die Menschen sind trotz allem zurechtgekommen. Mit viel Unterstützung des Westens.“

Bob sieht lieber die angenehme Seite des Lebens. Ich eher nicht.

„Na ja, niemand spricht so viel darüber aber ich glaube die  Frauen besser als Männer.“

Bob bleibt einen Moment stehen. Er atmet die frische Nachtluft ein. Die gelben Blätter der Linden glühen im Licht der Straßenlaternen. Ich meine, er hört mir noch zu.

„Ja, ich glaube schon. Prozentual hatte die DDR mehr Frauen in der Arbeitswelt als alle anderen Staaten. Die hatten dadurch finanziell Unabhängigkeit, und es gab eine hohe Scheidungsrate.“

“Alle Männer waren dann Feministen in der DDR?“

„Natürlich nicht. Es wurde erwartet dass Frauen außerhalb des Hauses arbeiten, aber sich zur gleichen Zeit auch um den Haushalt kümmern müssen. Na ja, alles wie immer. Allerdings haben die Frauen zwölf zusätzliche Tage pro Jahr Urlaub gekriegt, Hausarbeiten zu erledigen.“

„DDR als feministischer Staat, das kaufe ich dir nicht ab.“

„Ok, aber die jungen Frauen haben von irgendwoher ihr Selbstvertrauen geholt. Nach dem Mauerfall zwischen 1993 und 2008 haben zwei Drittel aller Frauen zwischen achtzehn und neunundzwanzig  Ost Deutschland verlassen und nach West Deutschland, Westeuropa und die Welt geflohen. Zwei Drittel!“

“Und eine davon war deine Frau. Und die Männer?”

“Viele waren auch weg. Insgesamt ist die Bevölkerung um fast einen Viertel in den zehn Jahren nach dem Mauerfall geschrumpft. Aber trotzdem, ich glaube dass es für Männer eine besondere schmerzhafte und intensive Erfahrung war. Es gab hier in nur drei, vier Jahren eine ähnliche De-industrialisierung wie in Liverpool, Detroit oder im Ruhrgebiet über drei oder vier Jahrzehnte. Werftarbeiter in Rostock oder Wismar, Bergbauarbeiter in Bischofferode, Textilfabrik Arbeiter in Apolda, alle Art von Fabriken in Sachsen, Thüringen, Berlin und Brandenburg wurden fertig gemacht.“

„Weil die nicht wettbewerbsfähig waren.“

„Vermutlich. Aber ich glaube nicht, dass viel Zeit aufgebracht wurde, um so was sicher zu stellen.“

Laura und meine Frau haben uns eingeholt.

„Das ist alles sowieso Schnee von vorgestern“, sagt Bob.

Meine Frau guckt mich an. Jetzt bedauert sie glaube ich, dass sie mich zu dem  letzten Gin und Tonic überredet hat.

„Nein, wir haben jetzt ein letztes Kapitel der DDR,“ sage ich ein bisschen trotzig und die Augen meiner Frau vermeidend, „das heißt die Alternative für Deutschland,…ein bisschen wie UKiP aber mit mehr Wut, die kommen am besten unter Männer im mittleren Alter und älter, aus den ehemaligen Ländern der DDR an.“

„Das Jazz war aber schön“, sagt meine Frau, als sie die Tür öffnet.

„Und Uschi kann richtig gut singen,“ füge ich hinzu.

Und da können wir alle zustimmen, bei einem letzten Absacker, Uschi konnte und kann noch richtig gut singen.

Jazz and what´s left of the DDR…

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Uschi Brüning and Take Five

We´re sitting in our local jazz club, the Steinmetzhöf, a former masonry workshop in Weißensee. A couple of friends have come over from London, visiting Berlin for the first time. They can feel that this is, in its way, quite a special place.  The singer, Üschi Brüning, her husband, the saxophonist, Ernst-Ludwig Petrovsky, and the band, Take Five, are some of the greatest jazz musicians of the old East German Communist Republic and they remain important figures in the German jazz scene.

Observing the mainly senior citizens around us, Bob asks.

“So these people would all remember living in the old Communist East?”

“Of course,” I say.

“What do they think about all that now?”

“Well,” I give my standard reply, “I´ve yet to hear anyone say they want it back.”

The band strikes up. Dave Brubeck´s Take Five. A succession of jazz standards, beautifully played, and then Üschi joins them, even at sixty nine years old, her voice is still a wonderfully flexible instrument weaving between the sounds of the other players.

They take a break and my wife and Laura go for wine. Bob says,

“It feels generally like quite a local crowd?”

“Yea, it is.”

“And there wouldn´t be many here who would have been less than thirty, say, when the Wall came down?”

I nod.

“So in a way,” he says, weighing his thoughts, “they´d be kind of what´s left of the DDR.”

“Well, yes.” I say, “not politically, of course. As jazz fans they´d have been a bit alternative. But yea, I´d say lots of them have grown old with the band. Maybe this is one of the places where you can still feel some continuity with that past.”

Laura and my wife are back with wine and something to eat.

“What´s that?” Bob asks, suddenly appalled.

“Hackapeter,” my wife replies, “raw mince, raw egg and onion, on toast. Delicious.”

She tucks in. Bob doesn´t.

Pushing me home along the Lehderstrasse Bob asks,

“So how did people feel when the Wall came down?”

“Lots of things, I think.” I say, “ above all, liberated. But then, anxious about the future, and then maybe, for some, a little ashamed …defeated, maybe.”

“Really?”

“Well, they knew, yea, it was a corrupt, spy ridden, bankrupt little state, but it was their corrupt, spy ridden, bankrupt little state. And some people didn´t want it to just disappear, they hoped to make something new, something different. But that wasn´t really on offer.”

“But people managed and got lots of support from the West.”

Bob is a look on the bright side kind of fella. Me not so much.

“Well, no one seems to talk about it. But I think women managed much better than men.”

Bob pauses and breathes in the night air beneath the Linden trees, their leaves a yellow glow in the street lamps. I think he´s still listening.

“Yea, the percentage of women in the workforce in the DDR was higher than anywhere else in the world. `Cos they had money, women could be more independent and so the divorce rate was high too.”

“So communist men were all feminists then?”

“No, ´course not. I mean women were expected to work. But they were also expected to do all the housework. But they got…easier to support women than change men… an extra day holiday a month to help them do it.”

“Not sure I´m buying this.”

“Ok, but some women in the DDR got self-confidence from somewhere. `Cos when the Wall came down they were off. Two thirds of young women between eighteen and thirtyish left the East between 1993 and 2008.”

“And your good lady wife amongst them. And the men?”

“Well, lots of men left too. The population dropped in the ten years after the Wall fell by about three and a half million, not far off a quarter of the population.

“But I think there was a particularly dramatic loss of traditional men´s jobs. In just a few years after reunification there was the kind of industrial decline that Liverpool or Detroit or the Rührpot had over decades. Shipyard workers in Rostock, potash miners in Bischofferode, textile workers in Apolda, factory workers in all kinds of industries in Sachsen, Berlin , Brandenburg…all gone.”

“They weren´t competitive.”

“Not sure a lot of time was spent working out if they were or not.”

“I´m sure they can´t have been.”

Laura and my wife have caught us up. Bob says,

“Anyhow, it´s all ancient history, now.”

My wife is looking at me closely, maybe regretting giving me that last glass of wine.

“No, we have a last chapter of the old DDR going on right now,” I say, avoiding my wife´s gaze. “It´s called the Alternative for Germany, like UKiP, except even more hostile to foreigners and refugees, a middle class party, representing business interests but gaining support among working class, unemployed and poor, middle aged and older, men from the old East”.

“But the jazz was good.” My wife says emphatically as she puts the key in the door. “And Üschi can really sing.”

On that we can all agree, as we settle down for a nightcap, Üschi can really sing.

Wie ich zu meiner politischen Einstellung gekommen bin….

“Wir mögen zwar Löwen sein die von einem Esel geführt werden …“ spuckt der Mann, im Fernsehen, rot- und rundgesichtig auf einem gesetzten, mächtigen Körper, die Wörter aus  „aber wenigstens sind wir keine Schakale!“

Ein gewaltiges Geschrei des Publikums, als die Delegierten der Gewerkschaftskonferenz aufstehen um zu klatschen und jubeln. Der Redner war Ron Todd, Chef der Transportarbeitergewerkschaft, 1984, auf dem Höhepunkt des Bergbauarbeiter Streiks gegen die konservative Regierung von Margaret Thatcher. Der Streik war die wichtigste politische und industrielle Konfrontation der zweiten Hälfte des zwanzig Jahrhundert.

Ich habe nicht so oft Schule oder Uni geschwänzt, aber wenn es doch vorkam, dann am liebsten im frühen Herbst während  der Gewerkschaftskonferenz oder der Labour Partei Konferenz (Mitte Links Partei, äquivalent zu SPD).

Ich würde Hühnersuppe aus der Dose erwärmen und mit meinem Vater teilen. Hühnersuppe aß man immer, wenn es einem vermeintlich nicht gut ging. Und zwei Toastscheiben mit Butter dazu. Dann konnten wir uns, in unserem eigenen verqualmten Hinterzimmer, ausruhen, und, wie Sonderdelegierten von Irland, die wunderschöne Vielfältigkeit unseres adoptieren Landes genießen.

Die Stimmen und Akzente der Arbeiterklasse, die man so oft in Seifenoper oder Komödien hört, hört man selten als Autoritäten. Selbst in den Konferenzübertragungen gab es immer nur Kommentare von Privatschulgebildeten, gutbürgerlichen Männern die uns alles erklärten. Diese aber ignorierten wir einfach.

Stattdessen fokussierten wir auf die leidenschaftlichen, lustigen oder ernsten Delegierten, Frauen und Männer, die von vorderster Front der täglichen Wirklichkeit unserer Gesellschaft berichteten. Menschen die gegen Margaret Thatchers Zerstörungswelle Widerstand leisteten, in den Dialekten der Gegend rund um die Flüsse Mersey, Tyne oder Thames, der Städte Leeds, Manchester oder Glasgow, Sikhs aus West London, Westinder aus Birmingham, Putzfrauen aus Süd London und Bergarbeiter aus Süd Wales.

Mein Vater hatte in der Textilfabrik in Aintree, Liverpool, neben der berühmten Grand National Pferderennbahn, gearbeitet. Am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurden hier Flugzeuge gebaut, im Zweiten Weltkrieg Fallschirme aus Seide, dann wurde die Fabrik von Courtaulds, eine der weltgroßen Textilfirmen der Welt, übernommen. Auf ihrem Höhepunkt in den Siebzigern war ihr größter Kunde Marks & Spencer.

Die Fabrik wurde in 1981 geschlossen, eine der Ersten von vielen in der De-industrialisierungswelle von Margaret Thatcher, die diese absichtlich, durch hohe Zinsen und ein hochwertiges Pfund, ausgelöst hatte. Wo die Fabrik einmal stand, gibt es jetzt ein Einkaufszentrum.

Leider wussten wir, dass Ron Todd so viel toben konnte wie er wollte, es würde nicht viel ändern.

“Bringt nichts oder, Papa? Wenn die Ingenieure und die Elektriker die Bergbauarbeiter nicht unterstützten werden,  dann werden die den Streik verlieren. Stimmt´s?“

Es war der Chef der Elektriker Gewerkschaft, Eric Hammond, der die Mengen mit seiner „Löwen geführt von einem Esel“ Analogie aufgebracht hatte.

Ich stellte mir vor, es gäbe einen großen staatlichen Sicherungskasten irgendwo, und die Elektriker könnten einfach den großen Schalter umlegen und dann war das Spiel für die herrschende Klasse aus.

Aber so was machten die nicht. Die Bergbauer verloren, die entscheidende Niederlage für die Gewerkschaften in Groß Britannien, und mein Vater, sowie Eric und Ron, ist schon lange tot.

Eric wurde ein guter Freund von Frau Thatcher und hat heimlich mit Rupert Murdoch kooperiert damit Ruperts Firma „News International“ die Druckergewerkschaften zerstören konnte, als seine Zeitungen, The Sun, The Times, The Sunday Times nach Wapping in Ostlondon umzogen. Die Königin hat ihn mit einer Order of the British Empire Medaille geehrt. Auf der anderen Seite, als er Frührentner wurde, hat niemand von seiner Gewerkschaft gedacht, es sei die Mühe wert, eine Abschiedsfeier zu organisieren. Er hat die Labour Partei nie verlassen.

Ron Todd war sieben Jahre Chef seiner Gewerkschaft und hat gegen den Rechtsruck der Labour Partei gekämpft. Er hat alle Ehren abgelehnt. Allerdings hat er sich mit der Mutter der Königin angefreundet und sie zum Ehrenmitglied seiner Gewerkschaft gemacht. Als Rentner hat er Gedichte geschrieben und veröffentlicht.

Jetzt, da die Tiefkühlphase des Neoliberalismus langsam taut, war der Geist meines Vaters bei mir, als ich die Labour Partei Konferenz letzte Woche online gesehen habe.

„Verdammter Vorsitzender! Das ist eine Schande!”

Konnte ich ihn sagen hören, als der Konferenzvorsitzende einfach die Parteiregeln ignorierte, um zu verhindern, dass der rechte Flügel der Partei eine Abstimmung verliert. Aber das hätte er lächelnd gesagt, weil…

„So sind die Rechten in der Partei immer gewesen. Die stehen auf Macht egal auf welche Art!“

Und im Großen und Ganzen ist das nur ein Zeichen, dass es wieder eine wahre Linke Partei in Großbritannien gibt, dafür es lohnt sich zu kämpfen.

Er hätte auch geliebt, dass man jetzt die Dialekte aus London, Leeds, Manchester und Stockport nicht nur aus dem Plenarsaal sondern auch von den Mitgliedern des Schattenkabinetts hören konnte.

How I got my politics…

“We might be lions led by donkeys but..” the man on the television with the round red face on the squat but powerful frame paused momentarily and then spitting out the words, “but at least we´re not jackals!”

A huge roar and the Trades Union Congress conference delegates rose to their feet to cheer and applaud. Ron Todd, leader of the Transport and General Workers Union, my Dad´s union, 1984, at the height of the Miner´s strike against the government of Margaret Thatcher. It was the most important political and industrial confrontation of the second half  of the twentieth century in the UK.

I was never really one for skiving, at school or at college. But when I did then it was normally during the Trades Union Congress or the Labour Party conference.

I´d heat up some tinned chicken soup, (you always had chicken soup when you, supposedly, weren´t well) and buttered toast with it, to share with my Dad. And then we´d sit back in our own smoke filled backroom, like special delegates over from Ireland, to enjoy the wonderful richness and diversity of our adopted country.

Working class voices, so common in soap operas and comedies, are rarely heard in the media as voices of authority. Even in the conference t.v. coverage there were, of course, the usual privately educated middle class men, the Robin Days and the Dimblebys, to explain to us what it all meant. We ignored them.

And paid attention instead to these passionate, funny and earnest women and men, reporters from the front line of ordinary people´s lives, defying the latest Tory outrage in the tones of the Mersey, the Thames and the Tyne, Leeds, Manchester and Glasgow, Sikhs from West London, West Indians from the West Midlands, cleaners from South London, and miners from South Wales.

Dad had worked at the textile factory in Aintree in Liverpool, next door to the famous Grand National course. Airplanes had been made there at the start of the century, then silk for parachutes during the Second World War, then it was taken over by Courtaulds, a multinational and, at their peak in the seventies, the largest man made textile manufacturer in the world. Their biggest customer was Marks and Spencer.

The factory had closed in 1981, one of the first to go in the high interest rate, high rate of sterling recession deliberately designed to deindustrialize Britain by the Conservative government. Where the factory once stood there´s now a retail park.

We knew that, though Ron Todd could spit defiance, he wasn´t about to call for a general strike.

“Won´t matter though, will it Dad? If the engineers and electricians won´t support the miners then they´re going to lose, aren´t they?”

It had been the Electricians leader, Eric Hammond, who´d just incensed the conference by referring to the miners as lions led by donkeys.

“Most likely. If they did strike, and that bugger Hammond will make sure they won´t, the miners would win overnight.”

I had visions of a national fuse box somewhere, and a big switch the electricians could throw and that´d be the ruling class sorted.

But they never threw the switch. And the miners lost. And my Dad is sadly, like Eric and Ron, long dead.

Eric became a good friend of Mrs Thatcher, worked secretly with Rupert Murdoch to destroy the print unions when News International moved from Fleet Street to Wapping and was awarded an OBE from the Queen. On the other hand when he finally took early retirement nobody from the union thought it worthwhile having a farewell party to mark the occasion. He never left the Labour Party.

Ron Todd led his Union for seven years, feuded with Neil Kinnock as he moved the Party to the right, and refused all honours but recruited the Queen Mother to the T. and G. as an honorary member. He wrote lots of poetry in retirement and his memory is kept green by a facebook page. He too died a member of the Labour Party.

And now that the neo-liberal deep chill is finally beginning to thaw, my Dad was very much with me in spirit as I watched the Labour Party conference (on line) last week.

“Bloody disgrace that chairman.”

I could hear him say as the conference chairman ignored party rules to stop a vote the right wing might have lost. But he would have said it with a smile.

“…. that´s what the right of the party have always been like. Big on power. What do they say? By whatever means necessary.”

And the big picture is the fact that the right were up to disreputable tricks like purges, coups and court action is proof that there is finally a left worthy of the name.

And he´d have loved it that the accents of London, of Leeds, of Manchester, of Stockport could be heard and not just from the conference floor but from the shadow cabinet!

Free Money Tag

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Gebäude in Flammen, Erderwärmung, Krieg, Flüchtlinge, Wälder in Flammen, immer wieder, jeden Abend. Wäre schön irgendwas machen zu können. Was auch immer. Daher mein Plan….  Aber zuerst essen wir, meine Frau und ich, Mittwochabend auf dem Sofa, vor dem Fernseher. Seifenoper. Meine Frau sagt.

-So nochmal. Ich habe nicht richtig zugehört.

-Ich will Geld weggeben.

-Wessen Geld?

-Mein Geld.

Überraschter Blick

-Unser Geld.

-Uh huh, wie viel?

-Zwanzig Euro.

-OK. Warum gucken wir so was?

Sie schaltet einige Kanäle durch.

2011 begann Free Money Day, oder „Tag des geschenkten Geldes“, in Australien und hat sich überall in der Welt verbreitet…..fast. Jeden 15. September schenken ganz normale Menschen Fremden Geld auf offener Straße. Einen Haken gibt es nicht, außer dass man die Hälfte des Betrags einem anderen weiter schenken muss. Was man daraus lernt, ist, dass wir ein ganz anderes Umgehen mit Geld haben könnten, dass eine gerechtere, großzügigere Welt durchaus möglich wäre. Wie wir kämpfenden Kleinkindern so oft sagen, teilen ist der bessere Weg, damit wir am Ende alle glücklich sind.

Donnerstagmorgen. Ich habe meine Aktivität auf der „Free Money Day“ Website Karte angemeldet und jedem Webseite Besucher wird mein Standort angezeigt. Jetzt bin ich verpflichtet. Aber auf einmal bedrückt mich das Unheimliche an dieser Idee. Warum kann ich nicht einfach rumsitzen im Café um über die Hoffnungslosigkeit des Erhalts einer anständigen Tasse Tee im Ausland zu meckern, wie alle andere Engländer? Dann denke ich wiederum an die Alternative für Deutschland, Rassisten und eine Erde, die uns jetzt fast jeden Tag unheimliches warmes Wetter zu schenken scheint. Vielleicht ist es nur eine Krise meines katholischen Gewissens, aber trotzdem wäre es schön etwas Positives zu tun.

Dann fällt mir ein, dass mein Freund, Thomas, der Café Besitzer, da sein wird; er ist allen in Kiez bekannt, daher kann ja nichts schief gehen.

Ok, Free Money Plakat am Café Fenster, zehn mal zwei Euro Stücke auf dem Tisch, sitzen wir vorm Café in der Wärme. Wir sind bereit. Niemand kommt. Dann taucht ein Paar in ihren Sechzigern auf und kommt auf uns zu. Zwei Geldstücke habe ich schon in meiner schwitzenden Faust. Klare Stimme, gute Grammatik denke ich und los.

-Entschuldigung. Darf ich kurz mit Ihnen sprechen?

Ein Moment panischer Unsicherheit in den Augen, einige hastige Schritte, dann sind sie vorbei geeilt, als hätte niemand etwas gesagt.

-Komisches Paar…. Das hätte ich dir vorher sagen können, sagt Thomas, einen Tick zu spät, vielleicht.

Ein junger Mann taucht auf. Vielleicht siebzehn. Seine Augen kommen nie zu Ruhe, richtig nervös, aber die Wörter sind schon auf meiner Zunge.

-Entschuldigung. Darf ich kurz mit Ihnen sprechen?

Sogar als ich erkläre, trifft sein Blick den Meinen nie richtig aber er läuft nicht weg, daher rede ich weiter.

Konsumgesellschaft…Klimakatastrophe…..(keine Reaktion)…Ungleichheit Zeitbombe, Artensterben…..(keine Reaktion)…ausgetrocknete Prärien, Städte unter Wasser….(keine Reaktion)

-….und das alles zu verhindern muss du nur vier Euro von mir nehmen!

Stille. Dann endlich guckt er mir in die Augen und sagt.

-Ich glaube für so was muss du einen anderen suchen.

Und dann ist er weg.

Aber natürlich dauert es nicht so lange bis Menschen, meistens jüngere, vorbeikommen, die meine Absicht verstehen und vier Euro nehmen, mit dem Versprechen zwei davon weiter zu geben.

Und es hat Spaß gemacht zuzusehen wie sich die Gesichtsausdrucke von Angst und Unverständnis bis zur  Neugier und dann lächelnden Einsicht ändern. Am Ende habe ich mit vielleicht zwanzig Menschen gesprochen.

Donnerstagabend. TV Abendessen. Seifenoper plappert. Meine Frau sagt.

-In einer Bevölkerung von zweihundert Millionen.

-Wieso?

-Du hast mit zwanzig Menschen in einer Bevölkerung von zweihundert Millionen gesprochen.

-Du hast die Karte auf der Webseite angeschaut?

-Das habe ich. Deins war das einzige Event in Europa?

-Sehr beliebt in Nigeria, antworte ich, und Australien.

Seifenoper plappert weiter.

-Man muss irgendwo anfangen.

-Sehr stolz auf dich, sagt sie und schaltet durch die Kanäle.

 

Mehr Information über Free Money Day findet man hier.

http://www.freemoneyday.org/

 

 

 

Free Money Day

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Buildings burning on the box, refuges, homes, forests in flames. Night after night. Be good to do something, anything. So last Thursday I made a start. But first back to the Wednesday before.  My wife and I eating our evening meal on the sofa. Pointless soap opera on the tv. My wife says.

-So tell me again. I wasn´t really listening.

-I want to give money away.

-OK, whose money would that be?

-My money.

She cuts me a sideways glance.

-Our money. I say.

-How much?

-Twenty euro.

-Fine. Why do we watch this?

She flips through some channels.

 

Free Money Day started in 2011 in Australia, and has gone viral, as they say…… sort of. Every 15 September ordinary people take it upon themselves to approach total strangers on the street and give them money. And there´s no catch. Except that they´re asked to pass half of what they´re given on to another complete stranger. The point, of course, is to illustrate that a more generous, fairer, more just way of dealing with money is possible. As we´ve all told our warring toddlers many times the best way for everyone to be happy is if we share.

 

Thursday morning. I´ve registered my activity on the free money day website global map and no one is going to miss my little arrow. So now I`m committed. Then the weirdness of it grips me. Why can´t you just sit in the café like any other English expat reading two day old copies of the Telegraph and wondering why the Germans can´t make a decent cup of tea? But then I think UKIP, Trump and a planet that seems to be burning ever more rapidly to a crisp and I think I can´t do nothing. And then I remember Thomas, the café owner and my oldest friend in Berlin, will be there so I shall take my courage from him.

So Free Money Day sign in the café window, ten two euro coins at the ready, reflected heat from the unseasonably warm sunshine falling on us from the flat windows opposite, we´re ready. We wait. No one comes. Then a middle aged couple appear at the corner twenty yards away coming our way. I ready my coinage in my sweaty palm. They´re almost upon us. Remember, good grammar, clear voice.

-Excuse me. May I speak to you for a moment?

A flash of panicked confusion in their eyes is quickly quashed and they sail on by as if no words had ever been spoken.

-Weird couple.  Could have told you that, says Thomas a little late, possibly.

A young man appears. Maybe seventeen. Eyes darting about a bit, maybe a bit too twitchy but the words are already on my lips.

-Excuse me. Could I speak with you for a moment?

Even as I talk his gaze doesn´t really come to rest but he´s not moving so he gets the whole spiel. Consumer society, climate disaster,….no reaction…. inequality timebomb, species loss…..no reaction….dessicated plains, sunken cities,…. no reaction…..so I decide to round off with a flourish,

– …..and all you´ve got to do to avert these and other untold disasters is take four euros off me!

Silence. Then his eyes finally fix on me and he says.

-I think you need to find someone else for that.

And off he goes.

But soon, of course, people did come by, mostly younger people, singly or in pairs, who got it, and were happy to take four euros and pass two on. And it was funny and fun. To watch as the cognitive gear changes shift people`s expressions from mild anxiety at being spoken to at all, to curiosity, then blank incomprehension, finally turning to smiling understanding was a rare and real  treat. In the end I talked to maybe twenty people.

That evening. TV supper, as posh people call it, again. My wife says.

-In a population of 200 million.

-Sorry, I say.

-You talked to maybe twenty people in a population of two hundred million?

-You looked at the map on the website?

-I did. Yours was the only activity on the map in Europe.

-Big in Nigeria though, I reply, and Australia.

The soap opera burbles on.

-You´ve got to start somewhere, I say, trying not to sound apologetic.

-Very proud of you, she says and flips some channels.

 

More information about free money day can be found here.

http://www.freemoneyday.org/

 

 

 

 

Ein Budget auf das man stolz sein kann..?

 

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Disabled handrail. Thanks to George we know how dangerous they can be!

Donnerstag. 17.3.16.

Dass der Britische Premierminister, David Cameron, und der Finanzminister, George Osborne, große Bewunderer der ehemaligen Premierministerin Margaret Thatcher sind, ist gut bekannt. Weniger bekannt ist allerdings, dass George, an die Bürgerrechte von Homosexuellen, Frauen und ethnischen Minderheiten glaubt. Aber es gibt einem Gruppe in unsere Gesellschaft, die ihn nicht hinters Licht führen kann.

 

Wie Ihr Euch vielleicht erinnert, gab es 2008 eine große globale Wirtschaftskrise, die, wie George heute in seiner Haushaltserklärung bestätigen wird, viel weniger zu tun hatte mit maroden Banken, verdächtigen Geschäften in der City of London, oder einer Immobilienblase ( all diese haben wir natürlich noch…) aber viel mehr mit Behinderten und kranken Menschen in Großbritannien, die, ohne einen Gedanken an globale Konsequenzen, Krückstöcke, Haltegriffe, Urinflaschen oder Einlagen bekommen. Und diese Hilfsmittel, sagt George, brauchen die Behinderten einfach nicht.

 

Daher ist die zentrale Initiative in seiner Austeritätspolitik in seinem gestern vorgestellten Budget die Einstellung von staatlichen Zahlungen an etwa 500,000 Kranke und Behinderte für Dinge, auf die diese verzichten können, zum Beispiel elektrische Betten, Duschhocker, adaptiertes Besteck, Bildschirmleser, Hörgeräte…..die Liste spricht für sich. Luxus Pur.

 

Auf den ersten Blick, gebe ich zu, waren für Margaret Thatcher die großen Gewerkschaften oder die Bataillone von Bergbauern und Druckern imposantere Gegner als die Krummen und die Lahmen. Aber schließlich kann man sich seine Feinde nicht aussuchen, oder..? Und die Kranken und Behinderten tragen schließlich mehr Verantwortung für die staatlichen Schulden als die Banker, die Steuersparmodelle der Großunternehmer oder die spesentricksenden Repräsentanten des House of Commons.

George ist sogar ganz besonders mutig gewesen, angesichts der starrköpfigen Weigerung ALLER Behindertengruppen und Wohlfahrtsgemeinschaften (von denen es mehr als fünfzig gibt!), ein einziges billigendes Wort über Georges Errungenschaften zu sagen. Und dabei hat er so viel Erwähnenswertes erreicht!

Zum Beispiel haben Untersuchungen gezeigt, dass alle, aber insbesondere weibliche, Behinderten (=gefährliche Feinde mit zerstörerischer Wirkung auf die globale Wirtschaft), durch jahrelange systematische parteipolitische Einsparungen (hoch lebe George der Finanzminister!) bei benötigter Unterstützung für Ausbildung, Transport, Arbeit ärmer und somit gesellschaftlich schwächer sind als Nicht-behinderte . Da muss es doch ein besonders lobenswertes taktisches Manöver sein, diesen, schon am Boden liegenden, Betroffenen (Feinden) noch einen Schwertstoß zu erteilen.

Besonders zufrieden muss George mit seiner sogenannten Zimmersteuer (Bedroom tax) gewesen sein, in der arme Menschen, die eine größere Wohnung haben, als ihnen zusteht, Strafen zahlen müssen. Die Bitte von Kranken und Behinderten für eine Sonderregelung auf Grund der Behauptung, sie seien unverhältnismäßig hart betroffen, da sie potentiell ein weiteres Zimmer oder extra Platz für ein spezielles Bett oder spezielle Gerätschaften, beispielsweise um zu atmen, benötigten, wurde -na ja- als Heiße Luft erkannt und als solche von George abgewiesen

Der Höhepunkt Georges mutigen Entgegentretens der Menschen, die im Volksmund durch die Unterstützung der oligarchischen Boulevardpresse jetzt auch Schnorrer und Diebe heissen, war natürlich die neue Begutachtung von Kranken und Behinderten von nicht -medizinischen „Fachkräften“. (Man stelle (kostengünstige) Administratoren aus völlig anderen Arbeitsbereichen ein, gebe ihnen einen Tick Liste, mit der der Anstragstellende „bewertet“ wird , kippe damit die Beurteilung von medizinisch qualifizierten, aber offensichtlich nicht liniengetreuen Ärzten und Ärztinnen und erkläre den Antragstellenden für arbeitsfähig.) Und wenn es der Fall war, dass zwischen 2011 und 2014 2380 selbst erklärte Kranke kurz nach einer solchen Entscheidung starben, und in ihren letzten Lebenstagen oder Monaten die Verkürzung ihrer Leistungen hinnehmen mussten, dann, na ja, vielleicht war das ja nicht so schlimm.

Die Bewunderung für George und David kennt keine Grenzen wenn man ihre standfeste Weigerung, einer immer lauter geforderten unabhängigen Untersuchung der Folgen für das Leben von Behinderten und Kranken betrachtet. Die Jungs wissen was sie tun. Eine Kehrtwende wird es nicht geben. Maggie wäre sehr stolz.

 

In dieser zweiter Amtszeit haben sie schnell klar gemacht dass sie die Behinderten und Kranken weiterhin im Visier haben. In den letzten Wochen hat die Regierung eine Reduzierung von 30 Pfund pro Woche für arbeitslose aber arbeitsfähige Behinderte (siehe oben), komischerweise gegen den Willen des House of Lords, und einiger treulosen MPs ihrer eigener Partei, durchgesetzt. Die Rebellen aus ihren eigenen Reihe haben das seltsame Argument vorgebracht, dass außer einer weiteren Verarmung der Betroffen überhaupt nichts erreicht werden würde. Zitat…

„Als reine Einsparmaßnahme ist die Maßnahme nicht akzeptabel.“

Obwohl es keinen Beweis gibt, dass das neue Gesetz sonst etwas bringen wird, haben George und David sicherlich das Recht zu erwidern..

„…und wo genau ist jetzt das Problem?“

 

Angesichts ihres wesentlichen Verdienstes bei der Zerstörung des Feindes „Kranke und Behinderte“, scheint merkwürdig, dass im Wahlprogramm, obwohl David und George ganz klar gemacht haben, dass es weitere Sparmaßnahmen geben würde, und zwar im Milliardenwert, sie nicht ausdrücklich gesagt haben welche Menschen am meisten verlieren würden. Vielleicht falsche Bescheidenheit?

Um Gottes Willen denkt bloß nicht, es gehe hier vielleicht um eine schrittweise Abschaffung unseres Sozialstaates und dass wir uns eines Tages in der Ignoranz, dem Elend und der Not wieder finden werden, von der der Sozialstaat uns befreit hat. Nein, nein, das kann nicht sein oder?

 

Sonntag. 20.3.16.

Nach der Veröffentlichung des Budgets war die Empörung in der Bevölkerung so groß dass der Minister für Sozialleistungen, Ian Duncan Smith, sich entschloss zurückzutreten und die Regierung die geplanten Änderungen zurücknehmen musste.