Cameron Carpenter im ehemaligen Stummfilmkino, Delphi.

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In meinem letzten Blog habe ich mit Begeisterung über einen Besuch beim Hertha BSC im Olympia Stadion geschrieben. Jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen weil, wenn man nachhaltiger leben will, es keine gute Idee ist, dass fünfzigtausend Leute jede zweite Woche von überall in Berlin, Brandenburg und noch weiter entfernt anreisen, um ein Spiel zu sehen.

Vielleicht bleiben wir besser in unserem eigenen Kiez und schauen die lokalen Fussballmannschaften an und unterstützen die Theater, Kinos und Kunst in der Nähe.

Einer der besten Abende dass ich je erlebt habe, war im kleinen Hinterhof einer Irischen Kneipe in Oxford. Zwei Franzosen, einer der sang und Guitarre und einer der Geige spielte. Zauberhaft, obwohl ich kein einziges Wort verstand. Noch einen zauberhaften Abend haben wir letzte Woche im ehemaligen Stummfilmkino, dem Delphi, in der Gustav Adolf Strasse in Weissensee erlebt .

Das Delphi ist ein unauffälliger, ziemlich unbekannter, Kulturschatz. Und es steht nur einhundert Meter entfernt von unserem Zuhause. In 1929 wurde es gebaut und es ist eines der wenigen original erhaltenen Stummfilmkinos in Deutschland. Nachdem sich in 1959 ein Stück von der Decke löste und in den Zuschauerraum fiel, wurde das Delphi als Kino endgültig geschlossen.

Seitdem wurden hier schon Küchenmöbel und elektrische Geräte gelagert, Orgeln verkauft und es fand auch mal ein Briefmarkenverkauf statt. Glücklicherweise konnte die Stadtverwaltung in der DDR durch Geldmangel ihr Vorhaben das Gebäude abzureissen nicht verwirklichen.

Heutzutage gibt es Cabaret, Theater, Musikaufführungen und ‘Swinger Partys’….anscheined ist für die Letztere keine Werbung nötig, die angesprochene Kundschaft steht an den betreffenden Abenden in ausgefallener Kleidung auch so Schlange.

Natürlich ist das Gebäude jetzt ungefährlich und ein Teil des Charmes des Delphis sind die nackten, grauen Decken und Wände. Das Dekor ist einfach, eine Theke, Tische, Stühle und clevere Beleuchtung. Und was wichtig für mich ist, es gibt einen ebenerdigen Einlass an der Seite des Gebaudes und ein zugängliches Klo.

Cameron Carpenter ist Amerikaner, der auch hier in Berlin wohnt. Er ist vielleicht der bekannteste Organist der Welt. Na ja, vielleicht hat das nicht zu viel zu bedeuten…aber wenn irgendjemand die Orgel zu Popularität bringen könnte, dann wäre es sicher dieser bescheidenen, und unglaubliche begabte junge Musiker.

Er sieht so aus wie ein Punk aus den Achtziger Jahren, mit Irokesenschnitt und Lederjacke, nur etwas gesünder. Ganz locker schnattert er mit dem Publikum, bis dieses, ganz normal für die Deutschen, ihn mit Klatschen zum spielen zwingt.

Die Orgel hat Cameron selbst designt. Er hat auch eine zweite in den Vereinigten Staaten bauen lassen. Sie sieht so aus wie das Cockpit eines Raumschiffs. Die Orgel, so wie deren viele Meter hohen Lautsprecher, hat ihren eigenen Koffer, in den sie versenkt werden kann (obwohl sie dann doch ein wenig zu gross für die Tür des Delphis war, die demzufolge verbreitert werden musste). Cameron ist in den nächsten Monaten auf Europatournee.

Cameron spielte Bach und einige andere klassische Stücke, ein sehr bewegendes Stück von Scriabin fand ich besonders toll. Die “DambustersMelodie demonstrierte die Kraft der Orgel sehr klar. Aber ohne Zweifel der beste Teil des Abends für mich war die Vorführung von Buster Keaton’s Stummfilm, ‘One Week’ (1920), zu dem Cameron eine sehr schöne Musikbegleitung spielte.

Halbe Stunde nach dem Ende des Konzerts kam er noch einmal zurück in den Saal um ein bisschen mehr zu spielen und mit dem Publikum zu reden und den technikbegeisterten Hinterbliebenen die Funktionen der Orgel zu erklären. Es sagt viel über seine Bescheidenheit und Empfindlichkeit dass er am Ende glücklich war, dass das Delphi selbst der grösste Star des Abends war.

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Tagebuch. Cameron Carpenter at the former silent film cinema, the Delphi.

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Ok, in my last blog diary entry I extolled the virtues of a visit to the Olympic Stadium to see the Bundesliga club Hertha BSC. Now I did this with a bit of a bad conscience as I know in the ongoing quest to live more modestly on the planet over 50000 people traveling every other week from all over Berlin, Brandenburg and from further afield to a football stadium is notreally a great idea.

Far better in fact that we should all stay in our Kiez, our local area , and watch a local amateur team or even kids playing in the park, and support local artists and musicians, in local cafes, bars and venues.

One of the best gigs I ever attended was in the backyard of an irish pub, the Bullingdon Arms in Oxford. Two french guys, one singer and guitarrist and the other, a violin player. Didn’t understand a word yet it was magical. And last week there was another truly magical evening just around the corner.

The former silent film cinema, the Dephi, so literally around the corner in Gustav Adolf strasse in Weissensee  that I can still walk there, is a cultural gem. Built in 1929 it is one of the few remaining original silent film cinemas in Germany. It was closed as a cinema in 1959 when bits of the roof started to fall down and it has been since then an organ concert hall and salesroom, a storage space and just left abandoned. But thank goodnews in this period in the old DDR, there was no money even to pull the building down.

These days it hosts theatre and cabaret shows, swingers parties (apparently you don’t need to advertise, people who need to know just somehow know….) and music events.

The building is of course now safe but is essentially just a shell with bare plaster on the walls and ceilings, a bar, some tables and chairs and some clever lighting. The sparsity of decor only adds to the central attraction of the original three stone arches above the stage. And to access it in a wheelchair there’s a side door and then no steps once you’re inside…and there’s a disabled loo.

Cameron Carpenter is an American with a base here in Berlin and is perhaps the world’s best known organist. Which may not be saying a lot in a lot of places. But if anyone has the combination of charm, modesty and incredible talent to make the organ a topic in every local in the land then its probably him. He looks like an eighties era punk with leather jacket and mohican, although admittedly better nourished and without the glue induced greenish tinge to his skin.

Cameron chatted with the audience before being ushered to the stage by, as is the German way, a bout of impatient clapping. The organ, he has another in New York, has been designed by Cameron himself and, as with its many metre high speakers, it folds neatly back into specially designed travelling cases. Cameron is taking the organ on a European tour in the coming months.

He opened with Bach and played a range of classical pieces, including an, at times, remarkably delicate piece by Scriabin. The Dambusters theme demonstrated the surging emotional power of the instrument.

But the undoubted highlight of the evening came in the second half with a screening of the Buster Keaton short film ‘One Week’ (1920) to which Cameron improvised an accompaniment. He returned later in the evening to play some more and chat to the remaining members of the audience. It says a great deal for his modesty and sensitivity that he was quite happy to let the film and the Delphi take centre stage as the climax of the evening.