Eine Reise durch Frankreich mit Anne and Eriba Puck

Gastblog von Roland Willaert.

Liegt es daran, dass man älter wird? Ist es eine Reaktion auf das, was ein guter Freund vor Kurzem sagte : „Mach mal, konzentrier dich! Du hast ja nicht mehr so lange !“ Ist es der Anfang des Abarbeitens vom Zettel mit den Dingen, die man im Leben noch machen will oder soll ?

Egal. Vor vier Monaten kaufte ich einen Eriba Puck und Anne, meine Ehefrau und beste Freundin war voller Zweifel, ich konnte nur ihre Gedanken raten: „Ein letztes Zucken auf dem Weg zur Bohème, och lass ihn“ . Ach noch das ; ein Eriba Puck ist ein Miniwohnwagen.

Von Berlin über Belgien nach Frankreichs Regionen und zurück. In vier Wochen keine Autobahnen. Nein das stimmt nicht : in Frankreich manchmal ein Stück gefahren wegen der fehlenden Baustellen. 4500 km in 20 Reisetagen , ungefähr 225 km pro Tag. Machbar ohne Stress.

Vieles gesehen, viele Leute getroffen, unverhältnismäßig viele Holländer ( das Vorurteil mit „Holländer leben im Wohnwagen und Wohnmobil“ stimmt), unverhältnismäßig viele Pensionäre ( wozu ich mich nicht zählen will trotz des Erreichens des Alters) und selbstverständlich viele deutsche Kollegen.

Meine erste bewußte Begegnung in der Eifel war mit Fritz aus Dresden. Wir waren gerade angekommen, saßen in der untergehenden Sonne und genossen einen Gin-Tonic. Die Einzelplätze waren terrassenartig angelegt Fritz ,vielleicht 75 , kam an mit einem übergroßen Auto und mit dem dazu passenden Wohnwagen. Aus Respekt vor dem Alter fragte ich Fritz, ob ich helfe könnte. Im tiefsten Sächsisch antworte er irgendwie überheblich : „Nicht nötig, ich hab einen Mover“. Bis dato hatte ich noch nie von einem Mover gehört. Mein Smartphone sagte zu Mover : eine präzise Rangierhilfe mit Elektromotoren und Fernbedienung Wir tranken einen zweiten Gin-Tonic und warteten auf die Demonstration des Sachsen mit seinem 2,5 Tonnen Wohnwagen, Mover , Fernbedienung auf dem hügeligen Terrassengelände. Und ja, Fritz drückte auf seine Fernbedienung. Da bewegte sich der Wohnwagen von alleine .Dann passierte das Malheur . Der Wohnwagen schoss unkontrolliert drei Terrassen herunter und blieb in einem Zaun lädiert hängen. Fritz stand oberhalb mit seiner Fernbedienung. Alle, die das gesehen hatten, sprangen auf . Mit zwölf Leuten ohne Fritz und Mover haben wir dann den Wohnwagen dahin geschoben, wo er stehen sollte. Fritz sagt ohne sich zu bedanken „Das hat er noch nie gemacht“ Wir tranken einen dritten Gin-Tonic.

In Collioure in Südfrankreich gibt es einen Campingplatz direkt an den Klippen oberhalb das Mittelmeers, so eine Art Standardpostkarte. Wir kamen von einem Besuch der Altstadt zurück und tranken einen Banyuls als Aperitif unter eine schattenwerfenden Zypresse vor unserer Bleibe. Neue Nachbarn aus Tauberbischofsheim. Er stieg schwitzend aus in Feinrib-Unterhemd, sie in einem Marken-Jogging-Anzug. Riesiger deutscher Wohnwagen und riesiges deutsches Auto.Sie fingen an aufzubauen. Irgendwie dachte ich dabei ans Militär. Alles geplant, alles abarbeiten nach den Vorschriften. Makita-Akkuschrauber. Riesige Materialkiste. Marken-Jogging-Frau verschwindet im Wohnwagen. Er baut das riesige Vorzelt auf . Wir lehnen uns zurück, schauen zu und schlürfen den Banyuls. Der Feinribmann holt aus einer Kiste lange Schrauben und bohrt die Schrauben mit dem Akkuschrauber in den steinigen Boden, sieht dass wir zuschauen und ruft :“ Das ist das beste was gibt , Nirosta A4 Sechskant Holzschrauben 12/300, das geht durch alles durch, da kann der Boden sein, was er will . Viel besser als die Standardheringe! Aus dem Wohnwagen piept es laut. Der Feinribmann schaut uns entschuldigend an und sagt „Es ist bald halb Sechs , und dann schaut sie immer Unter Uns , ohne tägliches „Unter Uns“ kein Urlaub. Sie richtet gerade die Satellitenschüssel „ Ja wir kommen gerade aus Taragona ; ein wunderbare Campingplatz , natürlich unter deutscher Führung, da klappte alles. Hier in Collioure hatte ich einen Stellplatz reserviert direkt an der Felsenkante , aber das hat hier mit den Franzosen nicht geklappt. Eine Frechheit! Ich kaufe auch hier in Frankreich fast nichts , wir haben den Wagen vollgepackt mit Lebensmittel vom Aldi , da wissen wir was wir haben“ . Wir trinken schnell unseren Banyuls und flüchten zum Restaurant.

Am nächsten Morgen hole ich im kleinen Camping Shop unser tägliches Baguette, und da steht die Frau aus Tauberbischofsheim und beschwert sich mit Händen und Füßen in Deutsch für Ausländer über den schlechten Platz, obwohl sie doch vor drei Monaten reserviert hatten ……Ich flüchte raus zum Frühstück…Nach unserem Ausflug zu Dalis Ei in Cadaques sind die Tauberbischofsheimer weg. Es ist noch heiß und ich will baden in der Privatbucht des Campingplatzes . Dazu muss ich eine alte Eisentreppe runter und bade doch nicht weil ein starker Wind das Meer aufwühlt mit großen Wellen. Ich gehe zurück und sehe, dass der Feinribmann jetzt doch in der ersten Reihe steht und höre (ungewollt-gewollt einen Streit mit seiner Frau, dass sie jetzt den ganzen Wind in der Fresse kriegen in der prallen Sonne.

Vorurteile über die Deutschen stimmen. Arrogant, besserwisserisch, nur deutsch sprechend, ohne Esskultur, übergewichtig und die Männer in Schiesser Feinrib-Unterwäsche.

Nächstes Jahr fahren wir durch Polen zu den baltischen Staten. Mal sehen, wen wir dort treffen.

ab sofort bis zum  25. Juni reist iRoland von Großenbrode bis nach Helsinki die Ostseeküste entlang. Dazu schreibt er einen täglichen  Blog  https://www.photoprojects.de/blog

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One thought on “Eine Reise durch Frankreich mit Anne and Eriba Puck”

  1. lieber nick,

    hab herzlichen dank!

    und euch eine angenehme rueckfahrt.

    euer thomas

    Gesendet: Sonntag, 28. Mai 2017 um 12:02 Uhr Von: westeuropeaninberlin <comment-reply@wordpress.com> An: mascher60@gmx.net Betreff: [New post] Eine Reise durch Frankreich mit Anne and Erika Puck

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