Free Money Tag

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Gebäude in Flammen, Erderwärmung, Krieg, Flüchtlinge, Wälder in Flammen, immer wieder, jeden Abend. Wäre schön irgendwas machen zu können. Was auch immer. Daher mein Plan….  Aber zuerst essen wir, meine Frau und ich, Mittwochabend auf dem Sofa, vor dem Fernseher. Seifenoper. Meine Frau sagt.

-So nochmal. Ich habe nicht richtig zugehört.

-Ich will Geld weggeben.

-Wessen Geld?

-Mein Geld.

Überraschter Blick

-Unser Geld.

-Uh huh, wie viel?

-Zwanzig Euro.

-OK. Warum gucken wir so was?

Sie schaltet einige Kanäle durch.

2011 begann Free Money Day, oder „Tag des geschenkten Geldes“, in Australien und hat sich überall in der Welt verbreitet…..fast. Jeden 15. September schenken ganz normale Menschen Fremden Geld auf offener Straße. Einen Haken gibt es nicht, außer dass man die Hälfte des Betrags einem anderen weiter schenken muss. Was man daraus lernt, ist, dass wir ein ganz anderes Umgehen mit Geld haben könnten, dass eine gerechtere, großzügigere Welt durchaus möglich wäre. Wie wir kämpfenden Kleinkindern so oft sagen, teilen ist der bessere Weg, damit wir am Ende alle glücklich sind.

Donnerstagmorgen. Ich habe meine Aktivität auf der „Free Money Day“ Website Karte angemeldet und jedem Webseite Besucher wird mein Standort angezeigt. Jetzt bin ich verpflichtet. Aber auf einmal bedrückt mich das Unheimliche an dieser Idee. Warum kann ich nicht einfach rumsitzen im Café um über die Hoffnungslosigkeit des Erhalts einer anständigen Tasse Tee im Ausland zu meckern, wie alle andere Engländer? Dann denke ich wiederum an die Alternative für Deutschland, Rassisten und eine Erde, die uns jetzt fast jeden Tag unheimliches warmes Wetter zu schenken scheint. Vielleicht ist es nur eine Krise meines katholischen Gewissens, aber trotzdem wäre es schön etwas Positives zu tun.

Dann fällt mir ein, dass mein Freund, Thomas, der Café Besitzer, da sein wird; er ist allen in Kiez bekannt, daher kann ja nichts schief gehen.

Ok, Free Money Plakat am Café Fenster, zehn mal zwei Euro Stücke auf dem Tisch, sitzen wir vorm Café in der Wärme. Wir sind bereit. Niemand kommt. Dann taucht ein Paar in ihren Sechzigern auf und kommt auf uns zu. Zwei Geldstücke habe ich schon in meiner schwitzenden Faust. Klare Stimme, gute Grammatik denke ich und los.

-Entschuldigung. Darf ich kurz mit Ihnen sprechen?

Ein Moment panischer Unsicherheit in den Augen, einige hastige Schritte, dann sind sie vorbei geeilt, als hätte niemand etwas gesagt.

-Komisches Paar…. Das hätte ich dir vorher sagen können, sagt Thomas, einen Tick zu spät, vielleicht.

Ein junger Mann taucht auf. Vielleicht siebzehn. Seine Augen kommen nie zu Ruhe, richtig nervös, aber die Wörter sind schon auf meiner Zunge.

-Entschuldigung. Darf ich kurz mit Ihnen sprechen?

Sogar als ich erkläre, trifft sein Blick den Meinen nie richtig aber er läuft nicht weg, daher rede ich weiter.

Konsumgesellschaft…Klimakatastrophe…..(keine Reaktion)…Ungleichheit Zeitbombe, Artensterben…..(keine Reaktion)…ausgetrocknete Prärien, Städte unter Wasser….(keine Reaktion)

-….und das alles zu verhindern muss du nur vier Euro von mir nehmen!

Stille. Dann endlich guckt er mir in die Augen und sagt.

-Ich glaube für so was muss du einen anderen suchen.

Und dann ist er weg.

Aber natürlich dauert es nicht so lange bis Menschen, meistens jüngere, vorbeikommen, die meine Absicht verstehen und vier Euro nehmen, mit dem Versprechen zwei davon weiter zu geben.

Und es hat Spaß gemacht zuzusehen wie sich die Gesichtsausdrucke von Angst und Unverständnis bis zur  Neugier und dann lächelnden Einsicht ändern. Am Ende habe ich mit vielleicht zwanzig Menschen gesprochen.

Donnerstagabend. TV Abendessen. Seifenoper plappert. Meine Frau sagt.

-In einer Bevölkerung von zweihundert Millionen.

-Wieso?

-Du hast mit zwanzig Menschen in einer Bevölkerung von zweihundert Millionen gesprochen.

-Du hast die Karte auf der Webseite angeschaut?

-Das habe ich. Deins war das einzige Event in Europa?

-Sehr beliebt in Nigeria, antworte ich, und Australien.

Seifenoper plappert weiter.

-Man muss irgendwo anfangen.

-Sehr stolz auf dich, sagt sie und schaltet durch die Kanäle.

 

Mehr Information über Free Money Day findet man hier.

http://www.freemoneyday.org/

 

 

 

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