Die Maya. Teil Eins

 

“Wir gehen nach Chichen Itza”

Meine Frau ist von der Idee nicht abzubringen.

Ich bin zwiegespalten…

„Enthauptungen, Blutopfer, Herzen aus lebendigen Leibern gerissen…. Grausamkeit und Gewalt haben wir genug in Europa.“

„Das sind die schönsten Ruinen der Maya im Land.“

„Das sind die sicher nicht. Da kommen die Touristen nur am leichtesten hin.“

Die Antwort kommt prompt.

„Quatsch, die sind doch drei Stunden weit weg mit dem Auto.“

„Genau. Viel zu weit weg. Es ist bald Happy hour in der Hotel Bar und die Sonne scheint.“

Vier Stunden später finden wir uns am Tor der 1500 Jahre alten Ruinen von Chichen Itza. Ich habe den Verdacht, unser Reiseleiter, Luis, hört meine Vorurteile gegen die Maya nicht zum ersten Mal.

IMG_3128
Luis.

„Ja, sicher es gab hier Blut Opfergaben. Aber das war die Tolteke, Verwandte der Azteken, die die Länder der Maya überfallen haben. Die Maya haben mit ihnen zu leben versucht. Als sie aber festgestellt haben dass die Tolteke auch die Maya opfern wollten, haben sie Chichen Itza endgültig am Ende des dreizehnten Jahrhunderts verlassen.“

“Und der berühmte Ballspiel? Ist es nicht zu Ende gekommen mit der Enthauptung des gewinnenden Kapitäns?“

„Genau“ sagt Luis, immer noch lächelnd, „das war auch die Tolteke. Sie waren ein kriegerisches Volk. Bevor sie kamen, ist der Sieger ins Publikum gestiegen und erhielt als Belohnung Schmuck von den adligen Frauen.““

Ich habe das Gefühl, dass es gerecht wäre, einen Fürsprecher für die Tolteken hier zu haben. Am Ende der Arena stehend, können wir beobachten wie mehr und mehr Touristen das Spielfeld betreten, das mindestens so groß wie ein Fußballfeld ist. Es gab sechs Spieler und einen Kapitän in jeder Mannschaft. Der 2kg Ball bestand aus Vollgummi gefertigt. Ziel des Spiels war den Ball durch den vertikalen Steinkreis, drei Meter hoch an der Wand, zu schießen. Neben uns es gibt Bilder der Spieler, im Stein gemeißelt. Sie trugen Arm, Fuß, Hüfte und Brust Lederschutz, die den Spieler ermöglichen den Ball zu kontrollieren und einen Schlagstock um den Ball dem Kapitän zuzuspielen. Beine und Kopf durften nicht benutzt werden um den Ball weiterzureichen. Allerdings zeigt zweifellos das letzte Bild einen Kapitän, den Kopf des anderen, wahrscheinlich des sieghaften in seiner Faust hängend. Das Blut, in Stein gemeisselt, fließt noch.

IMG_3157
Die zwie Kapitänen, oder ein und ein Kopf.

Luis und ich gucken aneinander an und bevor er es sagen kann, sage ich es.

„Toltec.“

Allerdings versucht er es auf an eine ganz andere Art und Weise.

„Wissen Sie was die Worte „Chichen Itza“ bedeuten?“

Das natürlich wissen wir nicht.

“Der Ort an der Mündung des Brunnens der Menschen die Mathematiker oder Astronomen oder Zauberer sind.“

Unterdessen sind wir an einem Ende des Spielfelds angelangt. Luis geht einige Schritte vor uns, hält seine Hände vor sich und wartet auf eine Pause in dem Murmeln und Gehen der Touristen…….

Dann klatscht er in die Hände und eine Millisekunde später hören wir das Echo des

“Wenn es hier still wäre, könnten Sie ganz klar jemanden, der am anderen Ende spricht, hören.“

„Wie ein Flüsterzimmer“ sage ich.

„Ja und auf diese Art und Weise konnten die Schiedsrichter während des Spiels kommunizieren.“

Er weist auf die große Mauer hinter uns.

“Hier kann man sehen wie die Mauer in zwei Teilen gebaut wurde. Eine Hälfte besteht aus größeren Steinen und die andere aus kleineren. Natürlich ist jeder Stein in der jeweiligen Hälfte gleiche groß. Dann ist jeder Mauer auch leicht nach vorn angekippt. Die Wissenschaft der Akustik haben die Maya sehr gut verstanden.“

IMG_3146
Ramona, Nick, Kathy und Tim und der große Tempel.

Jetzt stehen wir alle vor dem großen Tempel von Chichen Itza. Luis erklärt uns wie die Eigenschaften des Tempels den Elementen des Maya Kalenders entsprechen. Der Anzahle der Stufen, der Plattformen, der Anzahl der Paneele, alle repräsentieren Aspekte der Zyklen von Mond, Sonne und Venus. An den Nachmittagen der Sonnenwenden des Frühlings und des Herbst, fällt das Sonnenlicht über der nordöstlichen Ecke ein und nach und nach schlingert das Sonnenlicht in dreiecksform am pyramidengeformten Tempel zur Erde hinab, wie der Körper der berühmten gefederten Schlange, Quetzoacoatl.“

Dann sage ich.

“Also ist der temple ein Art von lebendes Monument, die den Menschen zeigt, wie sie das Konzept von Zeit verstanden haben.“

„Richtig“, sagt Luis, „und durch mehr Verständnis von Zeit, haben die Maya bessere Kontrolle über die Natur gewonnen, wann man anbauen soll, wann man ernten soll, und dadurch weniger Bedarf für Blutopfer.“

„Und dann kamen die Toltec“, sage ich.

„Und die Europäer“ fügt Luis hinzu.

Die Maya. Ein unterbrochenes Volk.

 

 

 

Advertisements

2 thoughts on “Die Maya. Teil Eins”

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s