Bowie. Eine kurze Anerkennung

Wie Millionen anderer Menschen war ich vom Tod David Bowies tief schockiert und erschüttert. Und vielleicht war ich mehr betroffen als ich gedacht hätte. Ich frage mich warum?

Ich habe ein bisschen nachgedacht und die Antwort könnte so lauten. Erstens hat er mir (und Fitz und Pete, Hal und Becky, Margie und Anne, „teenage wildlife“ jeder Art…) gezeigt, wie es möglich ist Englisch und ein Bürger der Welt zu sein. So was war keine Kleinigkeiten für Jungs und Mädels aus Nord England, zutiefst von England in den Siebzigern und Achtzigern entfremdet, ein Großbritannien mit einer offizieller Kultur geprägt von Margaret Thatcher, Jimmy Saville und Rolf Harris, der ein Porträt der Königin malt, ja, schon wieder mal….Zweitens verkörperte Bowie ein ganz andere, und befreiende, Art von Männlichkeit. Letztens gab es, natürlich, die besondere Qualität und Kraft seiner tiefgefühlten Musik.

David Bowie wurde als David Jones geboren. Die Familienverhältnisse waren bescheiden. Sein Vater arbeitete für einen caritativen Verein und David wuchs ohne Privilegien oder Erwartungen in Beckenham in Süden von London auf. Er studierte Kunst an der lokalen Fachhochschule; dass sein erstes Idol der Varietékünstler Anthony Newley, war, sagt wahrscheinlich viel über seine Schwierigkeiten, sich eine eigene Identität als Künstler und Intellektueller zu schaffen.

Doch wie wir heute wissen, schaffte er genau das, eine besondere Persönlichkeit zu erschaffen. Natürlich hat er viel von Englischer Kultur gelernt, beispielsweise von Marc Bolan und T Rex, von Lindsay Kemp, von George Orwells Vision einer zukünftigen Welt ‚1984‘, und er arbeitete auch mit dem, in England unterschätzten, Filmregisseur, Nic Roeg. Allerdings erweiterte er seinen Horizont von England aus in die Welt. Daher war er von Jean Genet, William Burroughs, Andy Warhol, japanischem Noh Teather, Soul Musik und deutscher elektronischer Musik, unter anderem, beeinflusst. In Berlin, Kyoto oder New York fand er ein Zuhause. Im Gegensatz zu vielen anderen Rockaristokraten, die genauso viele Ehrungen der Königin akzeptierten, wie sie große Besitztümer in England angehäuft hatten, hat Bowie diese Ehrungen abgelehnt. Was auch immer er als Anerkennung für seine Arbeit erhofft hatte, dies war es sicher nicht.

Noch wichtiger als seine Selbstbestimmung als Künstler war sein frühzeitiger Bruch mit den zu seiner Zeit gängigen Ideen von Männlichkeit. Zu einer Zeit, als männliche Vorbilder, die gewaltsame Arschlöcher waren, durchaus akzeptabel waren, beispielsweise Rambo, oder Dirty Harry, hat Bowie, beabsichtigt oder nicht, beim simulierten Blasen seines Gitarristen, Mick Ronson, auf der Bühne, und halt durch seine reine Schönheit, uns die Möglichkeit ein anderer Art von Mann zu sein, der sich nicht durch wiederholte Eroberung von Frauen und Schlägereien beweisen muss, enthüllt. Bowie meinte es war ok sich für sich selbst zu interessieren, und wenn das bedeutete, dass ein Mann Interesse für andere Männer, oder Mädels für Frauen haben, dann war das auch ok. Daher konnte ich, wie Tausende seiner Fans, mein Haar färben lassen, einen Ohrring tragen, und hatte keine Angst homophobe Menschen lautstark abzulehnen.

Natürlich war da seine Musik. Wir haben alle unsere Lieblingslieder. (Ich habe immer ‚Heroes‘, Young Americans‘, der melodramatische Gesang von „Word on a Wing“, dem Gerücht zufolge war Bowie bei der Aufnahme besoffen, und merkwürdigerweise, finde ich mich immer von ‚Everyone Says Hi‘ tief betroffen.) Allerdings gebe ich David Recht wenn er sagt, am Ende hatte er nur ein Thema, Barmherzigkeit für die verletzlichen Außenseiter; dem Paar von Kooks; dem zum Tode verurteilten Paar von ‚Diamond dogs‘; dem Paar der Geschichte ausgesetzt im Schatten der Mauer; dem ausgegrenzten Aboriginal von ‚Let’s Dance‘, dem Astronauten verloren im All. Genau auf diese Art und Weise war seine berühmteste Figur, Ziggy Stardust, so erfolgreich. Es war fast unmöglich zu unterscheiden zwischen unseren Gefühlen für Ziggy, dem Rock n Roll Suizid, und der Barmherzigkeit und vielleicht sogar der Liebe für den dünnen, blassen und schönen Jungen, David Bowie.

Es gibt einen sehr schönen Dokumentarfilm über das letzte Konzert von Bowie als Ziggy. Ganz allein auf der Bühne singt er das Jacques Brel Lied, ‚Mein Tod‘. Das Lied endet mit einer Frage. ‚Was ist hinter der Tür? ‘ Ein Moment der Stille. Dann schreit ein Fan aus der Dunkelheit, ‚ich! ‘ Dieser Schrei wird von der Masse der Fans aufgegriffen, die mit ihren ausgestreckten Händen das Spotlicht durchbricht. Sie hatten es schwer Ziggy gehen zu lassen, aber nicht schwerer als wir jetzt, die wir David Jones für immer gehen lassen müssen.

 

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