Ueber Buttons, borgen, Katzen und Uhren.

Der englischen Saenger Billy Bragg, hat ein wirklich gutes Lied in den achtziger Jahren  geschrieben ‚ der letzte Satz geht: , ’in Tagen wie diesen, Buttons zu tragen ist nicht genug‘. Im Bezug auf Klimawandels denke ich doch oft, es waere trotzdem ein Anfang.

Grosse Teile Ostdeutschlands, sowie Teile von  Tschechien und Ungarn stehen momentan und seit einigen Wochen unter Wasser . Solche Hochwasser werden als  ‚Jahrhundert Fluten‘ bezeichnet, selbstverstandlich weil sie so selten passieren sollten. Leider  haben viele dieser Gebiete, besonders Sachsen, die letzte Jahrhundert Flut in 2002 erlebt.

Ich kam zuerst Angesicht zu klebrigem Angesicht mit der Klimaveränderung, als ich vor ungefähr zehn Jahren an den Korallenriffen im Roten Meer von Eygpt mit meinem achtjährigen Sohn zu schnorcheln versuchte. Manche Tage war es schier unmöglich wegen hunderten, wenn nicht tausenden von Quallen und ihren feuchtkalten dünnen schleifenden Tentakeln, durch die man schwimmen musste. “Nicht giftig” wurde uns versichert, doch spaeter am Tag bekamen wir einen rosafarbigen und geschwollenen Hautausschlag.  Solche Quallen vermehren sich in sich erwärmenden Gewaessern, und jetzt betrifft das Phänomen große Teile Mittelmeeres.

Und doch findet man auch hier selten Menschen die fest ueberzeugt sind, dass es Klimawandel wirklich gibt. Tatsächlich wurde ich von einem jungen Künstler am letzten Freitagsabend an unserem lokalen Café gefragt, ob ich nicht zustimme, dass Klimaveränderung der größte betrügerische Schwindel ist, den es je gab? Vielleicht hätte ein Button geholfen, mit einer geschmerzten, in Rauch aufgehenden, rosafarbenen,  wie gerade aus dem Ofen kommenden, Erde.

Na ja, naturlich weiss ich auch, dass in den letzten funfzehn Jahren unsere globale Temperaturen sehr wenig, oder gar nicht, gestiegen sind, aber das bedeutet nur, dass unsere Computer Modelle noch nicht klug genug sind vorauszusagen was passieren wird in dieser Welt, die ja schon ein ungeheureres Labor geworden ist. Vielleicht, trotz aller Platzregenrekorde, des Hochwassers, der sechzig grauen Tage aufeinander im letzten Winter,des  Schnees ueber Ostern, hat der junge Mann recht, aber vielleicht auch nicht….

Allerdings, auch wenn Buttons tragen, gut waere, sicher wird dass auch nicht ausreichen. Wir koennten unser Vertrauen in Marktlösungen wie der Kohlendioxid-Handel legen, ausgefuehrt von äußerst cleveren Leuten in ‘the City’ and Wall Street, die durch den Handel ‘schmutzige’, alte Technologien zu wertlos machen sollen, um damit fortzufahren.

Aber mein Glaube wurde tief erschuettert, als ich ein Direktor eines führenden New Yorks CO2-Haendlers kennenlernte, der mir sagte, dass er keine Ahnung hatte, ob Klimaveränderung besteht oder nicht und im Bezug auf einer Loesung keine Ahnung haette, ob der Emissionshandel irgendetwas positives bringen könnte, aber im Grossen und Ganzen waere Emissionshandel, musste er laechelnd gestehen, ein gutes Geschaeft.

Vielleicht können die Medien helfen. Vielleicht die auch hier immer gut gepflegten, und immer jünger werdenden Nachrichtenmoderatoren, die genauso augenzwinkernd und kameraschaftlich wie in England erscheinen, und trotzdem die  Augenbrauen einen Augenblick lang in mitfühlendem Ärger ueber die riesengroßen Überschwemmungsgebiete und die Vernichtung von Häusern und Getreide erheben,  um dann an die prächtige Schoenheit, die Meteorologin, zu uebergeben, und sagen:

‘OK, es hat diesen ganzen Regen gegeben, aber wenigstens steigen die Temperaturen … (Augenblick Pause für die dramatische Wirkung) ……. oder?’

‘Oh, ja’

Erleichterung und überall im Studio wird gelaechelt, und wider besseren Wissens, lächle ich  auch mit.

Also, ueberlege ich weiter, was mein persönlicher Beitrag zum Schutz der Umwelt, der mehr als das Tragen eines Buttons…. den ich nicht habe, sein könnte.

Es könnte sein, die Katze im Hause zu behalten. Leicht getan, und nicht so doof, wie es klingt. In Deutschland, sowie in England, fallen die Zahlen von wilden Vögeln drastisch. Ursache  koennte Kilmaveraenderung sein, oder wie vermutet wird, wie auch mit den ökologisch noch wichtigeren Bienen,  moderne Pestizide spielen eine Schlüsselrolle. Und Europa hat gerade abgestimmt, auf  einige der verdächtigten Pestizide zu verzichten und sie zu verbieten. Die britische Regierung setzte sich dem Verbot entgegen.

Andererseits wird auch geglaubt, dass Katzen bis zu zehn Prozent aller Vögel in Deutschland töten. (Ich höre Radio…….sehr oft). So stelle ich mir Omas im ganzen Land vor, die, wenn eine Nachbarin nach Mietze fragt und wieso sie ihn eine lange Zeit nicht gesehen habe, antworten…

‘Ist ein politisches Ding- Vogel-Zahlen wissen Sie ….. es ist wahrscheinlich  wieder wegen der Agrarindustrie, aber bis sich Spatzen-Bevölkerungen hier wieder stabilisiert hat, geht er nicht mehr aus. Hoffentlich wird er irgendwann wieder im Stande sein, eines Tages wilde Vögel zu foltern,  toeten, und halb zu fressen,  aber nein, nicht heute, Frau Mueller..nicht heute …’

In demselben vorläufigen, politischen Geist bin ich auch Vegetarier geworden. Ältere Leser können sich eventuell an die siebziger Jahren erinnern, wenn  Sie eine solche Entscheidung bekanntgaben, und sofort Ihre junge Freunde, gelangweilt, von unter langen und ungepflegten Ponyfransen sofort antworten würden..

‘Oh, ja….. ein Koernerfresser?’

Koernerfresser bedeutet, dass Agrarland nicht genutzt werden wuerde, um Getreide für Vieh anzubauen, sondern für jeden achten Menschen, der genau in diesem Augenblick noch hungert.

Wie Harald Welzer in seinem neuem Buech ‘Selbst Denken’ betont, so eine Entscheidung kann bald unbequem werden. Als wir vor ein paar Wochen mit deutschen Freunden ins Thueringen und besonders die schöne historische Stadt Weimar reisten…..

weimar may 13

Weimar. Hier waren Goethe, Schiller und Bach zu Hause.

Wir waren fünf, in einem kleinen Corsa zusammengepfercht auf dem Weg zuruck nach Hause. Und dann kam die Frage….

‘Ich habe bermerkt dass du hast kein Fleisch zum Mittag gegessen? Wieso? Isst du kein Fleisch?’

Alle hatten, mit herzhafter Begeisterung, speziale Thuringer Wuerste gegessen…nur ich nicht. Das ging natuerlich nicht unbemerkt…

‘Das ist eine politische Entscheidung, wisst ihr?… (Schweigen) .. Korn-Fresser …. Wisst ihr?  .. (tieferes Schweigen)….. Lebensmittel fuer Menschen…. statt Tierfutter …’

Ein ganzer Abgrund von Stille.

‘Nicht mal Thueringer Wurst?’

Und ich duckmaeuserisch…. ‘Nein …’

Verständnislosigkeit, Enttäuschung, unerkannte westliche Schuldgefuehle … niedergeschlagen schaute ich zum Fenster hoch zu dem Schloss, den Bauernhöfen mit Strohdach, den smaragdgrünen rollenden Hügeln, ….. und Kühen … Kühen!

‘Und es gibt zu viele Kühe!’ Platze ich heraus…, ‘zu viel Furzen!’

Ein Moment Aufruhr, dann überall Gelächter der Erleichterung. …., und na ja, dann war alles wieder ok, weil ich das Argument noch einbringen konnte, dass Vieh, und dessen Furzerei einen riesigen Teil zur Erderwärmung beitragen, und in diesem Sinn leisten Vegetarier, wahrscheinlich den einzelnen größten persönlichen Beitrag, den man zum Reduzieren der Anzahl von Kühen und ihrer Flatulenz und ihrem  CO2-Fußabdruck machen kann.

Die Leute, die uber dieses ganze Zeug am meisten nachgedacht haben, und auch hier in Deutschland häufig erwaehnt werden, sind die ‘Transition Towns’ Gruppen.

http://www.transition-initiativen.de/

Ihre Art der Vision für die Zukunft scheint mir wie eine Zukunft, die in mancher Hinsicht den fünfziger Jahren aehnelt. Von einem Zeitalter, bevor alles mit der Absicht designt war, schnell zu veralten, als Dinge noch repariert und nicht weggeworfen wurden, und Dinge oft ge- und verliehen wurden.

Und an Zeit denkend, ist mir aufgefallen, dass jedes Mal, wenn ich an meinem Schreibtisch schreibe, und wissen will wie spaet es ist, mein Smartphone anschalte, das natürlich Energie verbraucht, und schließlich durch haeufigeres Aufladen einen winzigen Bruchteil mehr Kohlendioxid erzeugt.

So ging ich daran, die alte Taschenuhr meines Vaters zu finden, ein Sekonda, staubig und ohne  Kettenverschluss. Sie wurde zwanzig Jahre lang nicht getragen.

Ich zog sie auf – Und Ja…, tickt noch, und solange ich weitermache, mein Pflicht zu tun, tickt sie weiter…

windmill near Apolda

Alte, neue Technologie in der Naehe von Apolda.

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