Tagebuch June 13. Wochenende am Plauer See

Mit mehr als 2000 Seen sollte der Mecklenburger Seenplatte, ein paar Stunden  noerdlich von Berlin, eigentlich der perfekter Ort fuer ein Wochenende der ‘Musse’, diese besondere Art der kreativen Faulheit in der freien Natur sein.

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Der Plauer See, wo wir abstiegen, ist der drittgrößte der Seen, die Wellen schlagen an seine grasigen Ufer, er ist zuhause fuer Kraniche, Kormorane, See- und Fischadler, sowie die üblichen quakenden Ergänzungen von Moorenten, Blässhühnern und Stockenten im Schilfrohr.

Im gemischten Nadel- und Laubwald laben sich Spechte an ueber bis zu tausend Jahre alten Eichen und in unserer Hotelanlage gibt es einen großartigen Tulpen Baum, der wie viele andere der Baeume in der Gegend, jeden Moment erbluehen sollte.

Nachdem wir uns zwei Kilometern den Hang am See ueber den holprigen Fahrradweg mit dem Rollstuhl hochgekämpft hatten, wurden wir mit der Ansicht eines Adler belohnt. Er drehte seine Kreise muehelos über einem Weizenfeld. Am Rand des noch grüne Weizens leuchteten im hellen Juni Sonnenschein dunkelrote Mohnblumen und hellblaue Kornblumen.

Aber etwas stimmte nicht. Und der Samen des Verdachts dessen, was nicht richtig war, lag im Hotelfoyer – ein Glasschrank  mit Ausstellungstücken, politischen Texten und Fotos von Helden der Linken. Selbstverstaendlich habe ich kein Problem mit linken Buechern, tatsächlich habe ich einige von ihnen schon gelesen, aber warum im Hotelfoyer? Wir hatten auch eine Menge von Leuten bemerkt, die keine Hotelgaeste zu sein schienen, manche mit Che oder Marx ‘told you so’ T Shirts. Auf unsere Nachfrage, antwortete uns die Kellnerin laechelnd:

Ja, die sind hier für das morgige Inselfest. Das feiern wir hier jedes Jahr.’

Ach, ja, das Inselfest. Aus zwei Gründen hatten wir dieses Hotel gewählt, weil es behindertengerecht war und wegen des Inselfests, eine Chance,dachten wir,  die Geschichte und Gebraeuche der Anwohner am Plauer See kennenzulernen.

Und tatsaechlich, beim Fest am nächsten Tag, wieder in schoenen Sonnenschein, gab es das Pony-Reiten, Bogenschießen und die Kinderspiele,  sowie  Johanissbeereis, und selbstgemachten Kuchen. Es gab ausserdem Lieder gesungen von, mit Reisebussen gebrachten, Kindern, die Gelübde enthielten die Umwelt zu schützen, …bisschen serioes …na ja…..aber warum waren so viele der Bücher zum Verkauf, die ‘Klassiker’ wie der Verkaufer sie nannte, von Marx, Lenin und Mao Tse Tung?  Die Antwort kam von einem der Marktstaende, wo Unterschriften fuer die Unterstuetzung der SMPD zu gesammelt wurden – Die SMPD?????

(Diese sind nicht die richtige Buchstaben, aber die Partei braucht sicher meine Werbung nicht.)

So erwies sich dass, (…fünf Smartfone Minuten im Internet später)  wir am Sommerfest einer politische Partei der extremen Linken, mit den Genossen teilnahmen,  eine Gruppe von, wie es schien, sehr netten Leuten, die aber offiziell unter der Beobachtung durch den Verfassungsschutz für moegliche Tätigkeiten gegen die deutsche Verfassung steht. Mit all dem hatten wir kein Problem, außer, das es schoen gewesen waere, diese Information vorher zu erhalten um uns die Wahl zu lassen, ob wir hierher kommen wollten oder nicht.  War es nicht Marx, der irgendwo etwas daruber geschrieben hat, wie wie stolz der Kommunist darüber ist, völlig offen über seine Tätigkeiten und Absichten zu sein? Ein merkwuerdiges Ende einer revolutionären Reise; eine Partei zu sein, die halbherzig ein Dorffest imitiert.

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